Spanien steht im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Europameister setzte sich im Halbfinale in Dallas verdient mit 2:0 gegen Frankreich durch und beendete damit den Traum der Équipe Tricolore vom dritten WM-Endspiel in Folge. Mit einer taktisch nahezu perfekten Vorstellung ließ die Mannschaft von Beginn an kaum Zweifel daran, wer an diesem Abend den Platz als Sieger verlassen würde.
Vor allem defensiv präsentierten sich die Iberer einmal mehr in absoluter Topform. Frankreich um Superstar Kylian Mbappé biss sich über die gesamte Spielzeit an der spanischen Abwehr die Zähne aus und fand kaum Mittel gegen das aggressive Pressing sowie die hervorragend organisierte Defensive. Während Spanien nun vom zweiten Weltmeistertitel nach 2010 träumen darf, endet für Didier Deschamps eine Ära auf besonders bittere Weise.
Die Entscheidung über den Titel fällt am Sonntag in New York. Dort trifft Spanien auf Titelverteidiger Argentinien oder England. Für Jungstar Lamine Yamal bietet sich dabei die historische Chance, sich mit nur 19 Jahren und sechs Tagen zum jüngsten Spieler zu krönen, der Europa- und Weltmeistertitel auf sich vereint.
Oyarzabal bringt Spanien früh auf die Siegerstraße
Vor der Partie hatte Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps die Favoritenrolle noch geschickt seinem Gegner zugeschoben. Er wolle sein Gegenüber „nicht unter Druck setzen“, sagte er, „aber die Erwartungen an Spanien sind hoch“. Die Spanier ließen sich davon allerdings nicht beeindrucken. Lamine Yamal hatte bereits vor dem Anpfiff selbstbewusst angekündigt: „Wenn jemand Angst haben sollte, dann sie.“
Auf dem Platz bestätigte Spanien diese Worte eindrucksvoll. Die erste gefährliche Phase gehörte komplett dem Europameister. Alex Baena scheiterte zunächst noch mit einem Freistoß an der französischen Mauer, ehe Lucas Digne wenig später Yamal im Strafraum zu Fall brachte.
Den fälligen Elfmeter verwandelte Mikel Oyarzabal in der 22. Minute souverän zur Führung. Es war bereits sein fünfter Treffer bei diesem Turnier. Gleichzeitig geriet Frankreich erstmals bei dieser Weltmeisterschaft überhaupt in Rückstand.
Das frühe Tor spielte Spanien perfekt in die Karten. Die bis dahin ohnehin beste Defensive des Turniers verschloss die Räume konsequent und zwang Frankreich immer wieder zu ungefährlichen Ballbesitzphasen. Das hochgelobte Offensivtrio um Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembélé fand praktisch keine Lücken.
Zusätzlich musste Frankreich nach rund einer halben Stunde den verletzten William Saliba ersetzen. Ohne Gegnereinwirkung musste der Innenverteidiger den Platz verlassen, was die ohnehin schwierige Aufgabe für Deschamps‘ Mannschaft zusätzlich erschwerte.
Frankreich findet kein Mittel gegen Spaniens Defensive
Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Spanien kontrollierte das Geschehen mit hoher Passsicherheit und beeindruckender Ruhe im Spielaufbau. Immer wieder kombinierten sich die Iberer durchs Mittelfeld und sorgten auch offensiv für Gefahr. Kurz vor der Pause verhinderte Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano mit einer starken Rettungstat gegen Fabian Ruiz noch das mögliche 0:2.
Im zweiten Durchgang erhöhte Spanien schließlich den Druck. Nach einer sehenswerten Vorarbeit von Dani Olmo traf Pedro Porro in der 58. Minute zum verdienten 2:0 und sorgte damit für die Vorentscheidung.
Frankreich versuchte anschließend zwar noch einmal alles, um zurückzukommen. Doch selbst in der Schlussphase blieb Spaniens Defensive nahezu fehlerfrei. Als sich doch einmal eine Möglichkeit bot, war Torhüter Unai Simón zur Stelle und hielt seinen Kasten sauber.
Für Frankreich endet damit ausgerechnet am Nationalfeiertag eine Weltmeisterschaft, die bis zum Halbfinale nahezu perfekt verlaufen war. Nach sechs Siegen in sechs Spielen und dem Traum vom dritten Finaleinzug in Serie folgte gegen den Europameister die wohl bitterste Niederlage des Turniers.
Für Didier Deschamps bedeutet das Ausscheiden gleichzeitig das Ende seiner langen Amtszeit. Nach insgesamt 14 Jahren wird der Rekordtrainer der französischen Nationalmannschaft das Team an Zinédine Zidane übergeben – allerdings ohne den erhofften weiteren WM-Titel.
Spanien hingegen unterstrich eindrucksvoll seine Ambitionen auf den nächsten großen Triumph. Mit einer Mischung aus defensiver Stabilität, spielerischer Klasse und beeindruckender Reife zog der Europameister hochverdient ins Finale ein und darf nun vom zweiten Stern nach 2010 träumen.
